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27.04.10
Schilddrüsenerkrankungen bei Männern

Eigentlich hätte ich diesen Beitrag „Der schilddrüsenkranke Mann – das unbekannte Wesen ;-)“ nennen müssen, weil die zu diesem Thema veröffentlichten Informationen mehr als dürftig sind. Vermutlich liegt dies aber nicht nur am unzureichenden wissenschaftlichen Forschungsstand, sondern hängt auch damit zusammen, dass Libidoverlust, Potenzschwäche und Fertilitätsstörungen Tabuthemen sind über die Männer nicht gerne sprechen. Auch nicht mit einem Arzt der die möglichen Ursachen für die Probleme klären könnte.

So ist schon lange bekannt, dass beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion bei Männern häufig zu einem reduzierten Lustempfinden führt. In diesem Zusammenhang kann es auch zu einer Potenzschwäche kommen. In der Literatur wird darüber hinaus häufiger die Entwicklung einer weiblichen Brust (Gynäkomastie) erwähnt die ein kleiner Teil der hypothyreoten Männer entwickelt.

Im Gegensatz dazu kann eine Überfunktion der Schilddrüse mit einem gesteigerten (manchmal aggressiven) sexuellen Verlangen einhergehen. Es kann allerdings auch wie bei der Schilddrüsenunterfunktion zu Erektionsstörungen kommen.

Das OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom) ist die häufigste Ursache für eine verminderte Zeugungsfähigkeit des Mannes. Eine der möglichen Ursachen ist eine Unterfunktion der Schilddrüse.
Die Merkmale des OAT-Syndroms sind:
- geringe Spermienanzahl (oligo)
- verminderte Beweglichkeit der Spermien (astheno)
- erhöhe Rate an fehlgeformten Spermien (terato)

Vereinzelt wird in diesem Zusammenhang auch diskutiert, ob bei an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankten unfruchtbaren Männern eventuell ein Selenmangel von Bedeutung ist. Die selenabhängige Glutathionperoxidase soll ein entscheidendes Strukturprotein im Schwanzstück von Spermien sein. Ausserdem gibt es Hinweise, dass die für eine Hashimoto-Thyreoiditis charakteristischen Thyreo-Peroxidase-Antikörpern die Spermienqualität negativ beeinflussen.

Über den möglichen Einfluss einer Hyperthyreose auf die Fertilität liegen mir aktuell leider keine Informationen vor.

Inwieweit sich die geschilderten Beschwerden durch eine gute medikamentöse Einstellung der Schilddrüsenfunktion zurückbilden ist im Einzelfall unterschiedlich. Bei trotz euthyreoter Stoffwechsellage längerfristig anhaltenden Problemen sollten auf jeden Fall weitergehende Untersuchungen, z.B. eine Bestimmung des Testosteronspiegels, durchgeführt werden. Ein Testosteronmangel kommt bei Männern mit Schilddrüsenunterfunktion häufiger vor.



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